Vertrauen!

"Gehe einfach in´s Vertrauen, denn es kommt alles genauso, wie es für dich gut ist!" ... Viele denken bestimmt: Was meint sie? Warum schreibt sie das? Gerade sie, nachdem was alles passiert ist!?
Doch genau das ist der Punkt. Im vergangenen letzten Jahr spielte das sogenannte Vertrauen für mich und meine kleine Familie, eine ganz wichtige Rolle. Zum Beispiel als mein Mann und ich, vor nun schon fast einem Jahr, die Operation für unseren kleinen Sohn einwilligten. Da brauchten wir eine große Portion Vertrauen...

Wir wussten, dass diese Operation ein "Versuch war, etwas zu tun". Wortwörtlich, ein Versuch! Mit einer ganzen Reihe von Komplikationen, welche während dem Eingriff auftreten konnten. Man wird zu einem Ärztegespräch vor versammelter Mannschaft gerufen und dann kommt es mit geballter Ladung auf dich zu. Ich sage nur: Unvorstellbar, unbegreiflich!
Doch man willigt ein und besiegelt dies auch noch mit einer Unterschrift, denn als liebende Eltern versucht man alles, um das Leben seines Kindes zu retten, bzw. so angenehm wie möglich zu machen.
Dann wird dein Kind zur Operation abgeholt. Aufgrund der vorhandenen Ungewissheit verabschiedet man sich und trotzdem geht man zugleich ins Vertrauen. Vertraue darauf, dass es genauso kommt wie es für uns alle gut ist! Was immer auch passiert... Die Operation verlief soweit ganz gut.
Als wir am 23. Dezember, vergangenes Weihnachten, wiedermal zu einem Gespräch vor einer rießen Ärzterunde gebeten wurden, teilte man uns mit, dass man unseren Nikolas, beim nächsten "Abfall", so nannte man es, wenn er seinen Lebenswillen aufgab, nicht mehr zurückholen würde. Und wieder... BÄM!!!... geballte Ladung! Doch mein Mann und ich gingen zu unserem kleinen Sonnenschein und redeten mit ihm, aber verabschiedeten uns auch bei ihm. Wir sagten Niki, dass wir ihn unendlich lieb haben, egal wie er sich entscheidet. Wir werden ihn für immer lieben! Und natürlich gingen wir zugleich ins Vertrauen, dass alles genauso kommt wie es für uns alle gut ist. So kam es, dass uns Nikolas noch ein paar wunderbare und wertvolle Monate mit ihm geschenkt hat, wo wir sehr lange große Zuversicht hatten, dass alles wieder gut wird, da er unglaubliche Fortschritte, innerhalb kürzester Zeit zeigte. "Niki, wir danken dir sehr dafür!"... "Du bist und bleibst unser Held!" Vor allem für seine große Schwester Olivia war die Zeit sehr wichtig und wertvoll.
Leider war da immer wieder dieser große Anteil an Ärzteverstand, der dazwischenfunkte, bzw. der Nikolas und uns oft die Kraft und Zuversicht nahm. Meiner Meinung nach, kann der Verstand vieles mit starrem Blick und eingefahrener Struktur betrachten. Was mein Mann und ich mit Ärzten diskutiert haben, wenn unser Gefühl wieder mal anders war, als deren Anschauungsweise!?... Ich sagte dann immer: "Bitte vertrauen Sie mir. Ich spüre es, ich weiß es ganz einfach. Da ist dieses Gefühl. Ich bin seine Mama!" Einige, ja sogar sehr viele, konnten wir überzeugen. Doch manche wollten einfach ihr angelerntes Kopfdenken nicht ablegen. Doch wie es sich immer herausstellte, hatten wir Recht. Und darauf sind wir sehr stolz.
Hierzu möchte ich anmerken, dass das absolut kein Vorwurf ist, denn genau diese Ärzte haben uns, eben gerade mit ihrem angelernten Wissen, sehr viel geholfen. Viele von ihnen sind ganz großartige und wichtige Personen. Und wenn man in diesem Beruf ins Vertrauen gehen möchte, dann ist das sicherlich nicht einfach. Es ist möglich, aber es ist eine Herausforderung. Trotzdem bin ich der Meinung, dass auch Ärzte versuchen sollten ins Vertrauen zu gehen. In das Vertrauen der Eltern gegenüber, in das Vertrauen, dass es Dinge und Möglichkeiten gibt, welche nicht in einem Lehrbuch stehen.
Irgendwann kam der Zeitpunkt, als mich mein Sohn nach einem Zwischenfall, mit seinen großen, grünen Augen ansah und ich darin so eine Traurigkeit und Leere sah, wie ich sie bei ihm sonst nicht kannte. In seinen letzten Tagen auf Erden öffnete er fast nie die Augen, nur dann wenn er ein Licht sah. Und für meinen Mann und mich war klar... Nikolas will in´s Licht! Wiedermal versuchten wir ganz und gar darauf zu Vertrauen, dass alles genauso kommt wie es für uns alle gut ist!
Und so kam es, dass unser kleiner Sonnenschein dann Mitte Mai, seinen Weg ins Licht fand. Natürlich fragt man sich immer wieder, auch bei anderen Situationen: Warum? Wieso? Wie soll ich da bitte noch ins Vertrauen gehen!? Doch wenn man genau dann versucht, den Verstand ein wenig beiseite zu legen und versucht in sich zu gehen, dann wächst das Vertrauen. Das Vertrauen in eine wunderbare und wertvolle Zukunft!... Denn es kommt genauso, wie es für dich gut ist!

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